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Die Transformation der jüdischen Topografie im sowjetischen Kontext: Friedrich Gorensteins Theaterstück Berditschew

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Sprache: Englisch

Referentin: Dr. Alena Patiukhina (TU Dresden)

In Friedrich Gorensteins (1932-2002) Prosa legt die Grenztopographie der Sowjetrepubliken innere Konflikte und Spannungen frei, die mit der katastrophalen Geschichte des 20. Jahrhunderts - dem Holodomor, dem Holocaust und den Pogromen der Nachkriegszeit - verbunden sind. 

In seinem Stück Berditschew wird die Stadt als Heimat des sowjetischen Judentums und als Mikrokosmos der jüdischen Welt dargestellt. Gorensteins Werk veranschaulicht das Verschwinden der jüdischen Kultur unter totalitärem Druck, inmitten von Interaktionen und Spannungen mit den benachbarten ukrainischen und russischen Kulturen. Die Atmosphäre von Berditschew ist von ergreifenden Bildern des Todes und des Skandals geprägt.

Dr. Alena Pantiukhina (TU Dresden) untersucht die Topografie in Berditschew im Zusammenhang mit jüdischer Identität und Erinnerung sowie deren Verflechtung mit der sowjetischen Ideologie und der Präsenz des Sowjetstaates. Diese Topografie entfaltet sich auf mehreren Ebenen: von der intimen Umgebung der Gemeinschaftswohnung mit ihren Möbeln und materiellen Gegenständen über die breitere Stadtlandschaft mit ihren Boulevards und Überresten barocker Architektur bis hin zu den Randgebieten mit Slums, Friedhöfen und eindringlichen Spuren des Holocaust. Darüber hinaus symbolisiert Moskau, wohin der Protagonist des Stücks zieht, den Sowjetstaat und seinen imperialen Kern und steht in scharfem Kontrast zum provinziellen Berditschew, das als Bastion des sowjetischen Judentums beschrieben wird.

Der Vortrag findet im Rahmen des Slawischen Kolloquiums an der Universität Regensburg statt und wird in englischer Sprache gehalten. 

Dr. Alena Pantiukhina arbeitet derzeit an dem Forschungsprojekt „Judentum, Ukraine und Russland: Friedrich Gorensteins Grenzerzählungen“, das die Überschneidungen der jüdischen, russischen und ukrainischen Kultur in Gorensteins Werk untersucht. Zu ihren Forschungsinteressen gehören die Konstruktion historischer Narrative in der Literatur, russisch-jüdische Literatur und postkoloniale Paradigmen in der sowjetischen Kultur.

Datum

27.11.2024

Zeit

17:00 - 19:00

Kategorie

Vortrag

Organisator

„Denkraum Ukraine“ / ‚Think Space Ukraine‘, Universität Regensburg

Ort

Vielberth-Gebäude, VG 2.44, Universität Regensburg

Vielberth-Gebäude, VG 2.44, Universität Regensburg
Vielberth-Gebäude, VG 2.44, Universität Regensburg